Veranstaltungen der Goethe-Gesellschaft Köln
Willkommen bei der Goethe-Gesellschaft in Köln e.V.
Unsere Veranstaltungen im Jahr 2026
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Weimarer Klassik. Theorie und Geschichte
Prof. Dr. Wilhelm Voßkamp
Freitag, 23. Januar 2026, 19.00 Uhr – 20.30 Uhr.
Klassik ist durch die Doppelheit von normativer Gültigkeit und epochenhistorischer Geschichtlichkeit gekennzeichnet. Klassik als Norm lässt sich als Auswahlprozess aus dem kulturellen Vorrat von Werken und Autoren charakterisieren, der auf einen Kanon zielt und überzeitliche Gültigkeit beansprucht. Maßgeblich geprägt ist dieser durch die antike Kunst und Literatur.
Klassik als Geschichte umfasst die verschiedenen nationalen Gipfelepochen, ihre Voraussetzungen und Wirkungen. Im Vergleich zu einzelnen europäischen Klassiken betont die deutsche (Weimarer) Klassik die Vorstellung vom autonomen (in sich selbst vollendeten) Kunstwerk und das Konzept der Bildung als Programm der Selbstvervollkommnung und ästhetischen Erziehung zur Humanität. Von daher leitet sich der überbetonte Anspruch einer "Kulturnation" ab, die in Deutschland der "Staatsnation" zeitlich vorausgehe.
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Sprachspiele gegen den Krieg (in der konkreten Poesie und Lyrik des Barock)
Prof. Dr. Rudolf Drux
Freitag, 20. Februar 2026, 19.00 Uhr – 20.30 Uhr
Ist von „Sprachspielen“ die Rede, dann stellt sich zumeist der Gedanke an einen lockeren und heiteren Umgang mit der Sprache ein, was so gar nicht zum Thema ‚Krieg‘ zu passen scheint; aber gerade dessen komplizierter Bedeutungsdichte und emotionaler Wirksamkeit kommen zu seiner nachvollziehbaren Vermittlung Experimente mit dem Sprachmaterial zugute.
Der Wiener Lyriker Ernst Jandl hat z. B. die ungeheuren Destruktivkräfte des 2. Weltkriegs in defekten Laut-, Wort- und Versformen angeprangert, sich dabei auf den Frühexpressionisten August Stramm berufend, der, als Offizier im 1. Weltkrieg gefallen, die Schrecknisse im Feld in verknappten und nicht zuletzt wegen ihrer beschädigten Syntax und Semantik höchst prägnanten und verstörenden Gedichten wiedergegeben hat.
Dass sich beide Autoren auf eine lange Tradition von experimentellen Anti-Kriegs-Gedichten beziehen konnten, soll zur literaturgeschichtlichen Ergänzung exemplarisch mit den lautmalerischen Versen des Nürnberger Barockdichters Georg Philipp Harsdörffer belegt werden.
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Ein Buch ist ein Ort - Wallrafs Bibliothek für Köln
Dr. Christiane Hoffrath
Freitag, 13. März 2026, 19.00 Uhr – 20.30 Uhr.
Ein Buch ist ein Ort, in dem Ereignisse und Taten, Worte und Geschichten dingfest gemacht sind. Überdauern setzt Verdinglichung voraus, und nur das Überdauern sichert die Erinnerung.
Die Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf war und ist der zentrale Ort seiner Sammlungen. Er sammelte und rettete Bücher, um das in ihnen gespeicherte Wissen weiterzugeben.
Wallrafs Bibliothek zu bewahren und darin die Orte wieder zugänglich zu machen, bleibt eine fortwährende Aufgabe, die den besitzenden Institutionen und der Gesellschaft gestellt ist.
Der Vortrag gibt einen Einblick in die Materialität alter Bücher und stellt Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824) und seine Bibliothek vor.
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Besuch der Goethe-Gesellschaft im Historischen Archiv der Stadt Köln
17. April 2026, 11 Uhr:
Führung mit Dr. Max Plassmann durch das Historische Archiv der Stadt Köln
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Goethes "Faust" - oder: Die Überwindung der Welt
Prof. Dr. Michael Jaeger
Freitag, 08. Mai 2026, 19.00 Uhr - 20.30 Uhr
In der Rahmenhandlung des Faustdramas („Prolog im Himmel“, „Bergschluchten“) etabliert Goethe ein religiös und zugleich naturphilosophisch auslegbares Welt- und Lebensverständnis, gegen das dann Faust in der Binnenhandlung der Tragödie mit aller Macht rebelliert. In dieser spannungsvollen literarischen Konstellation, so die These des Vortrags, bildet Goethe den revolutionären Bruch der europäischen Überlieferung ab, mit dem zu seinen Lebzeiten jene Epoche der Moderne beginnt, die noch die Gegenwart von uns Heutigen bestimmt.
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"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind...". Goethes mobile Lieder
Prof. Dr. Andrea Polaschegg
Freitag, 26. Juni 2026, 19.00 Uhr - 20.30 Uhr
Goethe-Lieder denken wir uns heute ausgesprochen ortsfest: auf Konzerthausbühnen vorgetragen von professionellen Sängerinnen und Sängern mit Klavierbegleitung in Kompositionen von musikalischen Berühmtheiten wie Franz Schubert, Robert Schumann oder Hugo Wolf. Dabei haben sich Goethes Lieder von jeher durch einen starken Bewegungsdrang ausgezeichnet. Nicht nur flottierten sie schon zu Lebzeiten des Dichters durch Wirtshäuser, Nähstuben, Werkstätten, Universitäten, Festzelte und bürgerliche Salons, sondern viele der bis heute bekanntesten Lieder sind zudem aus größeren Werken Goethes entlaufen, und dies keineswegs nur aus dem Faust. Sei es Erlkönig, Das Veilchen, Der König in Thule, Freudvoll und leidvoll oder Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn – sie alle wurden zuerst von Figuren in Goethes Dramen, Singspielen oder Romanen gesungen und haben sich dann auf den Weg in die Welt gemacht, um schließlich im Wortsinn von Mund zu Mund zu gehen. Darin sind sie den Liedern der Romantik übrigens viel ähnlicher, als man vermuten sollte.
Der Vortrag setzt sich Goethes mobilen Liedern auf die Spur. Er sucht sie in ihren ursprünglichen Szenarien auf, verfolgt ihre Flucht- und Verbreitungswege – einschließlich der Melodien, die dabei als Vehikel gedient haben. Und er fragt nach der Bedeutung der populären Lied- und Songkultur für Goethes Status als Klassiker: gestern, heute und womöglich sogar in der Zukunft.
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Festveranstaltung: "Stern der dämmernden Nacht. Eine poetische Annäherung an Goethes 'Werther'"
Cora Chilcott
Freitag, 28. August 2026, 19.00 Uhr - 20.30 Uhr. Im Anschluss an die Vorstellung laden wir zu einem kleinen Umtrunk ein. Ende ca. 22.00 Uhr.
Ort: FORUM Volkshochschule im Museum am Neumarkt
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Jahresmitgliederversammlung der Kölner Goethe-Gesellschaft und Lesung von Isa Schikorsky
Jahresmitgliederversammlung der Goethe-Gesellschaft in Köln e.V.
Im Anschluss: Lesung von Dr. Isa Schikorsky aus ihrem Werk: "Karl Wilhelm Jerusalem. Der Mann, der zu Goethes Werther wurde".
Freitag, 18. September 2026, 17.30 Uhr - 18.30 Uhr (Mitgliederversammlung) und 19.00 Uhr - 20.30 Uhr (Lesung)
Goethes 1774 erschienener Roman »Die Leiden des jungen Werthers« machte Karl Wilhelm Jerusalem postum berühmt und unsterblich. Der Jurist aus Braunschweig galt der begeisterten Leserschaft als »Urbild« der Hauptfigur, sein Suizid als Vorbild für dessen tragisches Ende. Tatsächlich eint beide, dass sie am Leben verzweifeln. Doch die Gründe dafür unterscheiden sich. Und auch sonst verbindet den fiktiven Werther und den realen Jerusalem wenig.
Die historische Romanbiografie erzählt die Geschichte eines ebenso eleganten wie selbstbewussten jungen Mannes mit besten Karriereaussichten, der im Verlauf von dreizehn Monaten alles verliert, was ihm im Leben wichtig und erstrebenswert erscheint.
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Vasen, Vulkane, schöne Frauen - Goethe und andere zu Besuch bei William Hamilton
Dr. Markus Schwering
Donnerstag, 22. Oktober 2026, 19.00 Uhr - 20.30 Uhr
Wie viele zumal deutsche Italienreisende besuchte auch Goethe mehrfach William Hamilton, den britischen Botschater im Königreich Neapel. Er begegnete in ihm einer Persönlichkeit mit weitläufigen Interessen, die den in Heraculaneum und Pompeji ausgegrabenen antiken Vasen genauso galten wie den vulkanischen Erscheinungen am Golf von Neapel. Seine diesbezüglichen Beobachtungen etablierten den britischen Hocharistokraten als einen Begründer der empirischen Vulkanologie. Nicht zuletzt war Hamilton der Partner einer der schönsten Frauen seiner Zeit, Emma Hart. Sie machte er, vor ausgesuchtem Publikum in seiner Residenz, zum Zentrum sogenannter "Attitudes" - Nachstellungen bekannter mythologischer Szenen, die die Anwesenden begeisterten, teils auch befremdeten. Der Vortrag will ein Porträt des Botschafters entwerfen, der Goethe immerhin zu einigen aufschlussreichen Passagen seiner "Italienischen Reise" veranlasste.
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Film-Matinée: Amour fou (2014), Regie: Jessica Hausner
Sonntag, 15. November 2026, 11.00 Uhr - 13.30 Uhr
Im Zentrum des Films steht die Beziehung zwischen Heinrich von Kleist und Henriette Vogel.
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Con gli occhi di Goethe: Sehen als Kunstschaffen in Goethes "Italienische Reise"
Prof. Dr. Torsten Hahn
Montag, 23. November 2026, 19.00 Uhr - 20.30 Uhr
Goethes Italienische Reise enthält die Schilderung einer Transformation, nämlich der Verwandlung des realen Italien in einen virtuellen Kunstraum, in dem Vergangenheit und Gegenwart zueinander finden. Die fünfte Römische Elegie bringt dies in Verse, die für die klassische Poetik als mustergültig gelten dürfen. Dem Reisebericht können wir entnehmen, wie sich die Verwandlung der Umwelt – wenn man so will: technisch – vollzieht: Im Zentrum stehen dabei, wie es bei dem „Augenmenschen“ Goethe wenig verwunderlich ist , Auge und Blick.
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Was wäre Weltliteratur? Postkoloniale Lektüren mit Orhan Pamuk und Arundhati Roy
Prof. Dr. Peter Hofmann
Dienstag, 15. Dezember 2026, 19.00 Uhr - 20.30 Uhr
Goethes Idee einer "Weltliteratur" wollte die kulturellen Grenzen überschreiten, die Autor*innen und ihren Texten oft gesetzt werden. Aber ist dieser westöstliche Divan der Lektüren nicht doch eurozentrisch (damals) oder globalistisch (heute) gedacht? Orhan Pamuk und Arundhati Roy haben die Idee aufgenommen und kritisch weiterentwickelt.